Kritische Fragen

   

Warum braucht es einen Verfassungsartikel „Musikalische Bildung“?

Musik fördert die soziale Kompetenz und die Intelligenz junger Menschen, das ist wissenschaftlich erwiesen. Besonders das aktive Musizieren spielt dabei eine entscheidende Rolle. Heute hat das Fach Musik in der Schweizer Bildungslandschaft jedoch nicht den angemessenen und nötigen Stellenwert wie z.B. der Sport. Deshalb braucht es eine Verfassungsinitiative, um diese Forderung umzusetzen.

Die Vorlage verletzt die kantonale Schulhoheit.

Nein, die Vorlage verlangt zwar, dass die Kantone die Ziele des Musikunterrichts an Schulen harmonisieren. Der Bund greift aber erst dann ein, wenn sich die Kantone nicht einigen. Damit respektiert die Vorlage die kantonale Schulhoheit und den Föderalismus.

Ein Ja hätte hohe Kosten zur Folge.

Heute kann sich nicht jede Familie den Musikunterricht an Musikschulen für ihr(e) Kind(er) leisten. Hohe Elternbeiträge (in der Regel 50% der Kosten) stellen in vielen Kantonen auch für Mittelstandsfamilien ein grosses Problem dar. Wir wollen mit der Initiative erreichen, dass es allen Kindern möglich ist, auf freiwilliger Basis eine Musikschule besuchen zu dürfen.

Analog zum Modell „Jugend + Sport“ müsste der Bund bei Annahme der Vorlage den weiterführenden Musikunterricht an den Musikschulen im Sinne der Subsidiarität unterstützen. Der Beitrag, den der Bund heute für die Musikförderung ausgibt, ist vor allem verglichen mit den Beiträgen zur Sportförderung sehr bescheiden: eine halbe Million Franken für jugend+musik stehen 80 Millionen Franken für jugend+sport gegenüber. Dennoch werden sich die zusätzlichen Kosten, die auf Bund und die Kantone zukommen könnten, im Rahmen halten.

Unser Anliegen ist nicht in erster Linie ein quantitatives, sondern ein qualitatives. Wir wollen lediglich, dass die Ziele, die bereits heute im Lehrplan definiert sind, auch tatsächlich erreicht werden. Das ist heute in der Regel leider nicht der Fall.

Bereits der Entscheid, Sport als Sonderfall zu behandeln, so dass der Bund den Kantonen bei einem Schulfach Vorgaben machen kann, war ein Fehler.

Wir wollen, dass alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit haben, eine Musikschule zu besuchen. Im Sport funktioniert das bestens: Noch nie wurde die Kompetenz des Bundes im Bereich Sport negativ beurteilt. Im Gegenteil: Die Kantone profitieren unmittelbar von den Bildungsangeboten des Bundes, die ihre eigenen ideal ergänzen.

Wird mit einem Verfassungsartikel „Musikalische Bildung“ nicht primär eine Elite gefördert?

Nein, Wir wollen allen Kindern – nicht nur den besonders Begabten – eine gute Musikalische Grundausbildung ermöglichen. Musizieren und Singen verbindet – sowohl verschiedene Kulturen wie auch die Generationen. Und vor allem ist Musik ein wichtiger Teil der schweizerischen Volkskultur. Und gerade in einer Zeit, in der zuhause weniger musiziert wird, ist es umso wichtiger, dass Singen und Musizieren selbstverständlicher Teil der Volksschule ist und mit der gleichen Qualität gelehrt wird, wie andere Fächer.

Es geht auch nicht darum, nur eine bestimmte Musikrichtung (zb. Klassik oder Jazz) zu fördern. Dies zeigt die extrem breite Abstützung der Initiative „jugend+musik“: die Initiative wurde lanciert vom Schweizer Musikrat, einem Dachverband von 60 professionellen und Laien-Musikorganisationen. Und unterstützt wurde sie von bekannten Schweizer Musikern wie DJ Bobo, Stephan Eicher, Peter Zinsli, Peter Reber, Pepe Lienhard, Sina, oder Noëmi Nadelmann, welche die unterschiedlichsten Musikstile repräsentieren.

Was sind die finanziellen Auswirkungen?

Wir können diese Frage nicht abschliessend beantworten. Hier aber Gedanken dazu:

  • Schule: Wir haben ein qualitatives und nicht ein quantitatives Anliegen. Wir wollen, dass die heute im Lehrplan definierten Stunden nicht abgebaut werden, dass mit der gleichen Qualität unterrichtet wird wie die übrigen Fächer und die Lehrplanziele erreicht werden. Das ist heute vor allem in der Unterstufe und Sek I nicht der Fall. Aus unserer Sicht gibt es hier keine Mehrkosten.
  • Musikschulen: Wir haben heute 480 Musikschulen und knapp 300'000 Schülerinnen und Schüler. Das Gesamtvolumen ist ca. 1,5 Mia. Davon zahlen die Eltern 0.75 Mia. Wir wollen eine gesicherte Existenz der Musikschulen und eine sozialverträgliche Preisgestaltung für die Eltern, damit die Chancengleichheit gewahrt ist. Hier entstehen bestimmt Mehrkosten. Mehrkosten ergeben sich auch bei der Berufsbildung. Die Lehrlinge zahlen heute für den Musikunterricht und ihre gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen am Gymnasium zahlen nicht.
  • Begabtenförderung: Die Begabten Musikerinnen und Musiker brauchen die gleichen Bedingungen wie die Sportler (z.B. Swiss Olympics). Auch in diesem Bereich werden Kosten entstehen.

Die effektiven Mehrkosten können zum jetzigen Zeitpunkt nicht beziffert werden. Für jugend+sport investiert der Bund 60 bis 80 Mio plus 52 Mio für die Spitzenförderung. Die Mehrkosten werden sich aber subsidiär auf Bund, Kantone und Kommunen verteilen.